Der Ziegelbrenner
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ungelesen/ Neubuch. Italien begann als „verspätete Kolonialmacht“ relativ spät mit kolonialen Eroberungen, doch fast 80 Jahre Kolonialgeschichte hat das Land. Für den Staat hat der Kolonialismus dennoch nie den erhofften Erfolg gebracht. Der Unterhalt der Kolonialprojekte war meist teurer, als der wirtschaftliche Ertrag, obwohl das an eigenen Rohstoffen arme Land auf Bodenschätze hoffte. Auch als Ansiedlung taugten die Kolonialgebiete nicht: so wandern allein zwischen 1880 und 1910 fast 1 Million Menschen aus Italien aus, allerdings zu Hunderttausenden nach Lateinamerika, während in der Kolonie Eritrea 1899 gerade mal rund 1.700 Europäer – also nicht nur Italiener/innen – leben. Dennoch gab es in Italien wenig Widerstand – ausgenommen sozialistische Kreise – gegen die kostspieligen (und für die einheimische Bevölkerung oft verheerenden) kolonialen Unternehmungen Italiens. Schon der Libyenkrieg beförderte den italienischen Nationalismus und schürte die Forderungen, sich im Ersten Weltkrieg zu „engagieren“. Die Kriegsbegeisterung gehört zur Vorgeschichte des faschistischen Erfolges von Mussolini. Auch mit den– insgesamt verhaltenen – Protesten gegen den Kolonialismus war es vollends vorbei, als der italienische Faschismus 1935 den Abessinienkrieg begann. Innenpolitisch war die Opposition ausgeschaltet. Italien führte einen äußerst brutalen Krieg, um ein rassistisches Apartheidsregime zu installieren. Innenpolitisch wurde dieser auch von der katholischen Kirche unterstützte Krieg zumindest anfangs begeistert aufgenommen. Insgesamt betrachtet dieses Buch die Geschichte mehr aus der italienischen Perspektive, weniger die Folgen für die angegriffenen und besetzten Territorien. Die zeitgenössische Wahrnehmung – eng verknüpft mit dem faschistischen Aufstieg – in der italienischen Gesellschaft ist jedoch ein wichtiger Aspekt gerade vor dem Hintergrund der gegenwärtigen (2024) neofaschistischen Regierung Italiens. Folgerichtig widmet sich ein kenntnisreiches und für die Gegenwart noch bedeutsames Kapitel der kolonialen Erinnerung bzw. dem kolonialen Vergessen in der italienischen Gesellschaft.
sehr guter Zustand, 195 S., kart.
Filippi Francesco
Bodenburg
2024
978-3-86841-313-7
Edition AV