Der Ziegelbrenner
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„Je bedrohter die eigene soziale Situation, desto stärker ist die Identifikation mit Fußball-Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt die Berliner Sozialpsychologin Dagmar Schediwy in ihrer Studie zum wieder erstarkten Patriotismus rund um den deutschen Fußball… Schediwy hat Interviews auf Fanmeilen in verschiedenen deutschen Städten bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 sowie den Europameisterschaften 2008 durchgeführt. Sie hat bei der Fußball-WM 2006 insgesamt 113 Person, bei der EM 2008 78 und bei der Fußball-WM 2010 55 Personen befragt. Einziges Kriterium für die Auswahl der Interviewpartner, waren schwarz-goldene Fahnen, Wimpel, Schals oder andere Accessoires… Mit Rückgriff auf die Theorien der Frankfurter Schule schreibt Schediwy: ´Die Abhängigkeit von ökonomischen Zwängen denen sich die Mehrheit der Arbeitenden aus Gründen des wirtschaftlichen Überlebens anpassen muss, lässt sie zum Ausgleich für ihre gekränkte Selbstachtung zum Opium des Kollektivstolzes greifen´. Schließlich habe die Nation in Krisenzeiten den psychologischen Vorteil, dass Zugehörigkeit nicht verloren gehen kann, so die Autorin. ´Während eine Stelle gekündigt und ein Vermögen verschwinden kann, bleibt die Zugehörigkeit zur Nation für die bereits Zugehörigen bestehen´, so Schediwy. Wenn die befragten Fußballfans ganz selbstverständlich erklären, wir werden Weltmeister, dann wird deutlich, wie die Mechanismen funktionieren. Mit dem ´Wir´ ist dann nicht nur die Fußball-Elf sondern Deutschland. Daher beteuern die fahnenschwenkenden Fans auch immer zu Deutschland zu stehen. Schediwys durch die Befragungen unterfütterten Thesen zum Zusammenhang von Krisenbewusstsein und Fußballnationalismus sollten auch nach der EM weiter diskutiert werden, denn der nächste Event zum Flagge zeigen kommt bestimmt. (Peter Nowak). „Abschliessend lässt sich sagen, dass die vorliegende Studie der medialen Verharmlosung eines ´Party-Patriotismus´ während der Fussballmeisterschaften aufs Deutlichste und zu Recht widerspricht und dabei gleichzeitig auf die Dynamik der gesellschaftlichen Verhältnisse aufmerksam macht, die es nicht zu vernachlässigen gilt“ (kritisch-lesen.de).
sehr guter Zustand, 366 S., kart.
Schediwy Dagmar
Münster
2012
Lit Verlag