Brosch Valerie

Gegen die russische Staatsgewalt – Berichte von anarchistischem Widerstand und alternativloser Solidarität

€14,00

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Beschreibung

Interessant an diesem Buch ist vor allem die erste Hälfte, die Kapitel zu Ursprung und Niederschlagung anarchistischer Organsierung in Russland (mit Exkursen zu Michal Bakunin und Peter Kropotkin) und der Neuorganisation im postsowjetischen Russland beinhaltet. Im Vorwort schreibt Brosch: „Der Widerstand gegen Putins Regime von unten ist zwar klein, aber dafür vielfältig, sowohl politisch als auch ethnisch. In Russland sehen sich heute viele politische Gefangene und Verfolgte mit einem ähnlichen Schicksal wie Nawalny konfrontiert. Doch bekommen sie für ihren Kampf und die gegen sie gerichteten Repressionen wenig Aufmerksamkeit. Bei russischem Anarchismus denken viele an Michail Bakunin und Pjotr Kropotkin, zwei wegweisenden anarchistischen Persönlichkeiten, die beide aus dem russischen Zarenreich stammten. Ihre Gedanken und Ansätze prägen anarchistische Bewegungen bis heute, und zwar weltweit. Doch die Geschichte des russischen Anarchismus geht weit über diese beiden Grossen hinaus. Auch wenn ihnen bisher nicht die angemessene Aufmerksamkeit zukommt, spielen Anarchist*innen in den Umbrüchen der russischen Geschichte stets eine wichtige Rolle. Von Anfang an politischer Verfolgung und Gewalt ausgesetzt, schafften sie es dennoch immer wieder, mit ihren Handlungen in die Gesellschaft hineinzuwirken“. Doch habe die Repression sich unter Wladimir Putin verschärft: „Mit fabrizierten Gerichtsverfahren, dystopischen Strafmassen und brutaler Folter versucht das Regime, die Anarchist*innen zu brechen. Anarchismus fusst auf den Prinzipien der gegenseitigen Hilfe und Solidarität, der Horizontalität und Dezentralität sowie der Herrschafts-, Macht- und Hierarchielosigkeit. Mit ihren Gesellschafts- und Lebensentwürfen stehen Anarchist*innen also gegen alles, was den russischen Staat unter Putin ausmacht. Dass sie dafür mit besonderer Härte vom Staat verfolgt werden, verwundert dementsprechend nicht. Doch soll dieses Buch nicht nur von den Repressionen erzählen, die Anarchist*innen erfahren haben, sondern vor allem von ihrem Widerstand und ihren Akten der Solidarität. Trotz oder gerade wegen der Brutalität, die sie im Laufe der Geschichte bis heute erleben, schaffen sie es, ihren Überzeugungen treu zu bleiben und nach ihnen zu handeln.“ (Brosch 2024: 8f.) Der zweite Teil beinhaltet Kapitel zu den Kämpfen in Russland gegen die Kriegsführung Russlands in der Ukraine, die lesenswert sind. Auch dort bekommt man Einblicke in die Aktivitäten anarchistischer Gruppen, von denen sonst im deutschpsrachigen Raum wenig bekannt ist. Der Inhalt führt dann aber – man möchte fast unweigerlich sagen, da die Positionierung des anarchistischen Spektrums weit in Richtung staatlicher Positionierung zugunsten der Ukraine gerückt ist – letztlich an die Front. Der „Widerstand gegen den Krieg“ hat keine grundlegende antimilitaristische Perspektive, er ist im Grunde der Widerstand gegen das Putin-Regime (was legitim und nötig ist), der nun aber auf staatlicher Ebene ausgetragen wird (was fatal ist). Die Konsequenz, wenn Staat und Gesellschaft und Solidarität miteinander vermengt werden: nun ist – vermeintlich – kämpfen angesagt, wo ein Aufruf zum Desertieren angebracht wäre. Letzteres ist immerhin von der KRAS-IWA zu hören, auf die im Buch auch hingewiesen wird.

Zusätzliche Information

Gewicht 600 g
Zustand

144 S., kart.

Autor

Erscheinungsort

Münster

Erscheinungsjahr

2024

ISBN/ISSN-Nummer

978-3-89771-620-9

Verlag