Schaper Rüdiger

Karl May – Untertan, Hochstapler, Übermensch

€6,00

Nur noch 1 vorrätig

Beschreibung

Eine – wohlbegründete! – Ehrenrettung für Karl May, dessen Werke (Winnetou!) in den letzten Jahren schon mal als „rassistischer Schrott“ bezeichnet und dessen Lektüre verächtlich als „Selbsttherapie für Rassist*innen“ (taz) abgekanzelt wurde.Schaper hebt dagegen Mays „Idee von religiöser Toleranz, seine Offenheit für fremde Kulturen, sein von flachen Hierarchien und einem leidenschaftlichen Friedensgedanken geprägtes Bild der Welt“ (S.11) hervor, er zeigt einen „Reiter am Abgrund im Dienst des Pazifismus“ (S.12) – und vielleicht macht ja gerade dies in in der Zeit einer geistig-moralischen, militaristischen „Zeitenwende“ wieder so suspekt und gefährlich, wie er es schon einmal wahr. Jedenfalls, May sei nicht als „Jugendautor“ abzutun, was meist abwertend gemeint sei (ähnliche Reduzierungen erfuhren Mark Twain, Jonathan Swift und Lewis Carroll), und schon gar nicht als „Volksschriftsteller“ herabzusetzen („für einen Autor die Höchststrafe“, S. 16). Schaper geht ausführlich auch auf die unterschiedlichen Verfilmungen ein, bis hin zu – sehr frei und parodistisch, um nicht zu sagen klamaukig – Bully Herbigs „Der Schuh des Manitu“. Am deutlichsten – geradezu holzhammerhaft – tritt Mays kolonialismuskritische, antirassistische, christliche Missionierungen vehement ablehnende Haltung in seinem Beitrag „Und Friede auf Erden – Eine Reiseerzählung“ für den im übrigen militaristisch und rassistisch grundierten Sammelband „China – Schilderungen aus Leben und Geschichte, Krieg und Sieg“ (1901) hevor. Das „blutrünstige“ (Schaper) Machwerk wurde in den 2000er bis 2020er Jahren noch mehrmals aufgelegt. May konnte es sich aufgrund seiner Bekanntheit leisten, darin einen der Intention der Herausgeber vollkommen zuwiederlaufenden Beitrag unterzubringen, zunächst unter dem Titel „Et in terra pax“. Freilich, Karl May bleibt ein ambivalenter Charakter, er „verführt“ und „lässt sich lesen als Kindheitsfindung, als Kindheitsflucht aus autoritären Verhältnissen. Darin liegt der universelle Charakter seiner Vücher. Sie sind extrem auslegbar, laden ein zur Auslese, zur Ausschweifung oder Askese, zum Pazifismus wie zur Gewalt“ (S.50), ja, der Autor hebt an zu einem gewagten Vergleich, „darin der Bibel oder dem Koran nicht unähnlich“ (S.50). Schaper vermag es, auf sehr lesbare Weise auch überraschend erscheinenden möglichen literarischen Querverbindungen nachzugehen, etwa der „Kafka-May-Connection (Kafkas merikareisender heisst Karl Roßmann!). So wird Karl May aus der „aufdringlichen Kameraderie und plumpen Vereinnahmung“ (S. 173) befreit, die einen Großteil der Literatur über Karl May kennzeichnet. Die juristischen Kämpfe, die May gegen journalistische Verleumdungen und regelrechte Hetzjagden führte – Fürsprecher hatte er u.a. in Georg Heym und Erich Mühsam, auch die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner war May verbunden – werden ebenfalls geschildert. May war schon damals im Visier regelrechter Kulturkämpfe – eine Ironie der Geschichte, dass sich dies nun hundert Jahre später unter anderen Umständen zu wiederholen scheint. Die dunklen Seiten Mays, etwa die erst nach Mays Tod veröffentlichte rachsüchtige „psychologische Studie“ zur Ex-Frau Emma Pollmer, verschweigt Schaper dabei nicht. (Gerald Grüneklee)

Zusätzliche Information

Gewicht 600 g
Zustand

sehr guter Zustand, 240 S., geb., m. OU

Autor

Erscheinungsort

München

Erscheinungsjahr

2011

ISBN/ISSN-Nummer

978-3-88680-975-1

Verlag