Dringenberg Bodo

Kein Besonderer – Das zu kurze Leben des Heinrich Börner. Romanbiographie

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Beschreibung

Die meisten der über 100.000 Stolpersteine, die Gunter Demnig inzwischen in vielen Ländern Europas verlegt hat, sind jüdischen Vertriebenen und Opfern des Nationalsozialismus gewidmet, andere den Sinti und Roma, Homosexuellen oder Menschen, die politischen Widerstand leisteten. Einfache Menschen – „keine Besonderen“ – sind wenige darunter, so wie in der Geschichtsschreibung über den Nationalsozialismus diese bis heute kaum eine Rolle einspielen. Eine Ausnahme wurde, wenn auch mit jahrzehntelanger Verspätung, der Hitler-Attentäter Georg Elser, und hier konnte sich die nationalsozialistische Justiz jahrelang schlicht nicht vorstellen, dass hier ein einfacher, einzelner Mensch ohne Verbindung zu Widerstandsgruppen sich zum Eingreifen in die Geschichte entschloss. Nun also Heinrich Börner, dem der Autor einen Stolperstein finanzierte. Weniges ist von Börner, der die meisten Jahre seines kurzen Lebens in Hannover bzw. dem inzwischen eingemeindeten Linden verbrachte, überliefert. So ergänzt Bodo Dringenberg, der profunde Kenntnisse der Geschichte Hannovers hat, diese Leerstellen. Genaugenommen ist wohl nicht einmal sicher, dass Börner aufgrund einer Desertion verurteilt wurde. Im November 1939 wurde er in die Wehrmacht zum Artillerie-Ersatz-Regiment 19 Hannover eingezogen. Es entsteht so die doch immerhin durchaus mögliche Lebensrekonstruktion eines Melkers, der, dem Kriegerischen schon als Kind abgeneigt, das Heraufziehen des Nationalsozialismus erlebt und sich dem Militärdienst durch Desertion entzieht – was die Todesstrafe zur Folge hat. Dringenberg erzählt dies auf eine stille, doch gerade darum eindrückliche Weise. Er setzt so einem – vermutlichen – Deserteur ein Denkmal. Erinnert wird damit jener vergessenen NS-Opfer, die noch lange nach Ende des Nazi-Regimes als „Verräter“ verunglimpft wurden und um deren wenigstens postume Anerkennung der überlebende Wehrmachtsdeserteur Ludwig Baumann lange stritt. Von den wohl deutlich über 100.000 Deserteuren wurden rund 30.000 erfasst und in aller Regel zum Tode verurteilt – „ein Soldat kann sterben, ein Deserteur muss sterben“, wird im Buch zitiert, wovon rund zwei Drittel der Todesurteile schließlich auch tatsächlich vollstreckt wurden. Eines der NS-Opfer, die sich weder von kommunistischer Ideologie (DDR) noch vom bürgerlichen Widerstandsdiskurs um die Männer des 20. Juli (BRD) vereinnahmen lassen konnten, ist nun endlich nicht mehr namenlos. (Gerald Grüneklee)

Zusätzliche Information

Gewicht 600 g
Zustand

sehr guter Zustand, 195 S., kart.

Autor

Erscheinungsort

Springe

Erscheinungsjahr

2023

ISBN/ISSN-Nummer

978-3-86674-992-4

Verlag