Grodotzki Chris

Kein Land in Sicht – Zehn Jahre zivile Seenotrettung im Mittelmeer

€20,00

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Beschreibung

ungelesen/ Neubuch. Vor zehn Jahren setzte die MS Sea-Watch von Lampedusa aus Segel, für sichere Fluchtrouten und universelle Bewegungsfreiheit. Teils in enger Kooperation mit dem Staat, teils in offener Konfrontation, eilte die »No Borders Navy« seither zehntausenden Menschen zu Hilfe. Doch trotz aller Manöver bleibt #SafePassage ein uneingelöstes Versprechen; das Mittelmeer ein Todesstreifen, der jährlich mehr Menschenleben fordert. Ein Aktivist der ersten Stunde schaut zurück auf Geschichten der Flucht und Fluchthilfe nach Europa, auf symbolträchtige Rettungsschiffe, ihre Einsätze und deren Kriminalisierung. Im Gespräch mit langjährigen Shipmates diskutiert er Fragen zur gelebten Politik und Philosophie der Seenotrettung, reflektiert widerständige Momente und lässt zum Abschluss einige Hauptfiguren der Bewegung über deren Zukunftsaussichten nachdenken. Kein Land in Sicht: Ein aktivistischer Rückblick auf Erfolge und Fehlschläge einer sozialen Bewegung, auf Seemenschengarn, Schiffe und Schicksale. „Im Buch zeichne ich nach, wie sich auf Lampedusa dieser Widerspruch zwischen Bewegung und der Stagnation zuspitzt – oder besser, wie er von Seiten des Staates zugespitzt wird. Es gibt da diese wunderschönen Beschreibungen im Buch ´Crimes of Peace´ von Maurizio Albahari, das er schon vor über zehn Jahren über die Mittelmeerkrise geschrieben hat. Darin erzählt er, wie er in der Bar dell’Amicizia, also in der Bar der Freundschaft, auf Lampedusa mit Locals zusammen saß. Die erzählten dann nostalgisch davon, dass – bis zum Zeitpunkt, als der Staat kam, ein Auffanglager errichtete und diese Migrationsroute kurzerhand zu einer Krise deklarierte – Menschen einfach auf der Insel angelandet sind: Sie kamen in diese Bar hereingeschlappt und erkundigten sich, wie sie Richtung Festland weiterkommen – oder genauer in Richtung Sizilien, was ja im Übrigen auch eine Insel ist. Heute ist Lampedusa vor allem Sinnbild und Hotspot dieser sogenannten Flüchtlingskrise, die ja eigentlich eine Grenzkrise Europas, eine Krise unserer Integrationsfähigkeit ist. Aber es gibt dort auch immer noch die Bewohner:innen, die ganz aktiv Seenotrettung betreiben, von der Küstenwache hin zu Locals mit ihren Booten. Oder die Kirchengemeinden und lokalen Aktivist:innen, die seit Jahrzehnten inmitten dieser Krisenerzählungen ganz wunderbare Solidaritätsarbeit auf der Insel leisten; Gastronom:innen, die ihre Vorräte zur Verfügung stellen, um die ankommenden, wartenden Leute zu verpflegen; Menschen, die immer da sind, wenn sich die Krise am meisten zuspitzt. Und dann der Gegensatz, wenn die ganze Insel plötzlich voll ist mit Militär und Polizei – und Giorgia Meloni und Ursula von der Leyen persönlich angereist kommen, um sich ein Bild von ihrer Krise zu machen. Eine Krise, die da gerade produziert wird: Indem man die Leute nicht einfach mit der Fähre frei weiterreisen lässt, sondern da erstmal aufhält und ein Nadelöhr schafft.“ (der Autor im Interview mit „kritisch lesen.de“)

Zusätzliche Information

Gewicht 600 g
Zustand

ca. 250 S., kart.

Autor

Erscheinungsort

Wien

Erscheinungsjahr

2025

ISBN/ISSN-Nummer

978-3-99136-517-4

Verlag