Der Ziegelbrenner
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Schauplatz dieses Science Fiction ist das Doppelplanetensystem Urras/ Anarres: während Urras kapitalistisch orientiert ist, geht es auf Anarres libertär zu – die BewohnerInnen haben sich für eine Gesellschaftsform ohne eine institutionalisierte Regierung entschieden. Dennoch malt LeGuin – die sich eingehend mit den anarchistischen Klassikern beschäftigt hat – keine leuchtende Utopie: zwar gehört Freiheit zu den obersten Prinzipien dieses Planeten, doch was tun, wenn die Menschen die Verantwortung für ihr eigenes Handeln nicht übernehmen wollen? So lauert hier die Verkehrung des Ideals, nimmt die Erstarrung zu. Der Physiker Shevek, dessen Leben in diesem Entwicklungsroman geschildert wird, unternimmt denn auch die Reise nach Urras, um nach neuen Impulsen für Anarres zu suchen. Das interessante an diesem Band ist, dass er den ersten konsequenten Versuch in diesem Genre darstellt, libertäres Gedankengut zu vermitteln, und zwar nicht auf eine positivistische Sichtweise reduziert. Dass das Zusammenleben immer konfliktreich ist – gerade auch in offenen Gesellschaften -,eine Konfliktfähigkeit also elementar und für gesellschaftliche Lösungswege auch konstruktiv ist, ist schliesslich eine Sichtweise, in der „Utopie“ nicht einfach ein Endzustand ist, sondern immer wieder neu austariert wird. Insofern lässt sich dieses Buch immer wieder auch als ein Plädoyer gegen eine Mentalität des „wir können ja doch nichts tun“ und die Phraseologie vom „Ende der Geschichte“ lesen!
Umschlag knickspurig, Buchschnitt gebräunt, innen gut, 350 S., kt.
(OA 1974)
Le Guin (auch LeGuin) Ursula K.
München
1989
3-453-03919-X
Wilhelm Heyne Verlag