Schöck-Quinteros Eva, Rau Simon (Hrsg.)

Verteidigen, verdrängen, vergessen – Das Arbeitserziehungslager Bremen-Farge nach 1945

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Beschreibung

Einweisungen in das Arbeitserziehungslager (AEL) Farge veranlassten u. a. die Firma Focke-Wulf Flugzeugbau G.m.b.H. Bremen, Deschimag-AG Weser, die Norddeutsche Hütte in Bremen, die Stadtwerke/Gaswerke Bremen und die Bremer Vulkan Werft, sowie diverse Betriebe im Raum Verden. Betroffen waren Zivil- und Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, darunter Russen, Polen, Dänen, Holländer, Belgier, Franzosen, und auch Deutsche. Gründe waren u.a. „Widersetzlichkeit“, „unzureichender Arbeitsleistung“, „Arbeitsbummelei“, „Aufhetzen anderer Arbeiter“, „Begünstigung von Kriegsgefangenen“, eigenmächtiges Verlassen der Arbeitsstelle“. Nach 1945 wurde alles getan, um die Vorgänge vergessen zu machen und nicht aufarbeiten zu müssen. Unter den Eingewiesenen war der junge Niederländer Theo Roodvoets, damals 26 Jahre alt. Er wurde 1944 das Arbeits- und Erziehungslager Bremen-Farge beim U-Boot-Bunker „Valentin“ gebracht. Wenige Woche später ist Roodvoets tot, er stirbt an Misshandlungen und physischer Erschöpfung. Theos Bruder Adriaan Roodvoets, durch seine Aktivitäten im Widerstand gegen die deutsche Besatzung körperlich schwer behindert, stellt nach dem Krieg sofort Fragen: Wer hat Theo ermordet? Beim Roten Kreuz erkundigt er sich nach der Möglichkeit, Lagerkommandant Karl Walhorn oder die Lager-Kapos vor Gericht zu bringen – vergeblich. 1948 wird Walhorn von einem britischen Militärgericht zu vier Jahren Haft verurteilt, aber nicht wegen des Mordes an Theo. 1961 wendet sich Adriaan Roodvoets schließlich an den Bundesjustizminister Fritz Schäffer, und bittet ihn um Auskunft, ob Walhorn für die Ermordung seines Bruders bestraft worden sei. Ein Jahr später erhält er das ein Schreiben des Ersten Bremer Staatsanwalts Dr. Siegfried Höffler, 1939/40 am Sondergericht Rzeszów in Polen tätig: Die Ermittlungen gegen Walhorn habe er eingestellt, der Lagerkommandant sei nicht verantwortlich… Basierend auf Originaldokumenten wird dieses prototypische Kapitel der Bremer Nachkriegsjustiz zusammen mit weiteren Dokumenten zur Entnazifizierung, möglicher Entschädigung von Opfern des Nationalsozialismus und Wiedergutmachung im vorliegenden Band dokumentiert.

Zusätzliche Information

Gewicht 200 g
Zustand

sehr guter Zustand, 327 S., kart.

Reihe

Aus den Akten auf die Bühen Bd. 16.2

Autor

Erscheinungsort

Bremen

Erscheinungsjahr

2020

ISBN/ISSN-Nummer

978-3-88722-766-1

Verlag